Sind „blaue Trafos“ wirklich gefährlich? Und falls ja, warum?

Bei alten und älteren Trafos muss man zwei Gefahrenquellen unterscheiden: sehr alte Trafos können den Benutzer unter 230 Volt stellen, weil das alte Isoliermaterial bröselig geworden sein kann und nicht mehr isoliert.

Bei nicht gar so alten Trafos ist die Isolation nicht gefährdet, allerdings könnte die Umschaltspannung ein Risiko für moderne Decoder darstellen.

Gefährlich ist nicht die Farbe „blau“. Nicht alle blauen Trafos sind gefährlich, nicht alle gefährlichen Trafos sind blau.

Im Prinzip ist es ganz einfach: die Netzspannung wurde von 220 Volt auf 230 Volt erhöht. Das sind knapp 5 % mehr – und die Geräte sollten das eigentlich aushalten.

Die Wirklichkeit ist viel komplizierter: bei älteren Märklin-Loks musste ein mechanisches Relais zwischen Fahrspannung (maximal 16 Volt) und Umschaltspannung (24 Volt) unterscheiden. Ich vermute, dass die Trafos bei der Umschaltspannung nach dem Motto „lieber zu viel als zu wenig“ gewickelt wurden, damit die Mechanik zuverlässig funktioniert.

Einer meiner blauen Trafos liefert bei 230 Volt Netzspannung eine Umschaltspannung von 31 Volt – auf dem Gehäuse wird die Umschaltspannung hingegen mit 23 Volt angegeben. Und man muss dabei noch berücksichtigen, dass die Netzspannung um 10 % schwanken darf – bei 230 Volt plus 10 % käme eine Umschaltspannung von 34 Volt heraus!

Die Spezifikation vieler moderner Decoder lässt nur Spannungen bis ca. 28 Volt zu. Bei meinem „grauen“ Trafo 6647 messe ich circa 25 Volt Umschaltspannung bei 230 Volt Netzspannung – da bereiten dann auch 10 % mehr keine Probleme.

Fazit

Wichtig für die Sicherheit des Menschen ist die Isolierung: sehr alte Trafos, womöglich noch mit Anschluss für die Erdung, könnten durch bröselige Isolierung gefährlich werden – und zwar wirklich gefährlich, es können tödliche Stromschläge drohen!

Wichtig für die Sicherheit moderner Loks mit Decodern ist die Umschaltspannung: Vorsicht ist geboten bei allen Trafos für eine „veraltete“ Netzspannung (220 Volt, 240 Volt, 110 Volt), unabhängig von der Farbe. Aktuelle „graue“ Trafos für 230 Volt oder 120 Volt sollten hier unproblematisch sein.

Nicht alle Trafos für eine Nennspannung von 220 Volt liefern heute Umschaltspannungen über 28 Volt. Wer sie weiterhin nutzen möchte und auch neuere Loks einsetzt, sollte zumindest die Umschaltspannung messen.

Noch ein Tipp: während meine „blauen“ Trafos im Kurzschlussfall erst nach sechs bis acht Sekunden abschalten, schalten meine „grauen“ Trafos in weniger als einer Sekunde ab. Auch die schnellere Abschaltung kann im Einzelfall mal einen Decoder vor dem „Abrauchen“ bewahren.

Grundsätzlich bin ich dafür, alte Geräte möglichst lange einzusetzen und sie nicht ohne Grund durch neue Geräte zu ersetzen. Aber der Schaden bei einem zerstörten Decoder ist teurer als ein moderner Trafo.

Und ein Hinweis: viele Tüftler kommen auf die Idee, sich einen Umsetzer von 230 Volt auf 220 Volt zu basteln. Ich finde, dies ist keine gute Idee: manche „blauen“ Trafos liefern selbt bei 220 Volt Netzspannung eine Umschaltspannung, die den modernen Decodern gefährlich wird.

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